Hans U. Thalmann
im Buchladen

Inspiriert von einer kurzen Begegnung mit einer Yakhirtin im Himalaya-Gebirge, spinnt Hans Ulrich Thalmann eine Geschichte in der sich sich Eindrücke auf der Reise mit seinen Vorstellungen mischen. Vorstellungen, wie die Menschen im politisch noch immer umkämpften, von China und Pakistan beanspruchten, heute zu Indien gehörenden Kaschmirgebiet leben. Die Weltpolitik spielt in der Erzählung die Schneeleopardin eine untergeordnete Rolle, sie ist latent allenfalls als Kriegsbedrohung spürbar. Die Hauptperson ist ein junges Mädchen auf dem Land, eine Hirtin, die er Nima nennt, auf ihre Reise in die Stadt begleitet und mit ihren Augen zu sehen versucht. Das plötzliche Durcheinander von Bewegungen, Blicken und Begegnungen. Wir begleiten sie auf dem Weg in eine Buchhandlung, wo sie für ihre Grossmutter nach einem Buch mit Bildern und Buchstaben sucht und später, wie sie der Darbietung einer Strassentänzerin zusieht. Anjali – die Artistin – ist gleich alt wie sie, sie lebt in der Stadt und doch haben sie vieles gemeinsam. Viel mehr als der Autor und die Zuhörer im Buchladen in Stein am Rhein, die am Freitag (17.3.2017) über die Plausibilität der Figuren und ihrer Erlebnisse rätseln. Er würde selbst gerne in Erfahrung bringen, was aus der Hirtin geworden sei, deren Namen er nicht einmal wisse, meint Hans Ulrich Thalmann.

Sein Buch ist der Versuch, die vor acht Jahren begangene Reise noch einmal zu erleben, in Gedanken und in Ruhe. Die eigentliche Tiefe erhält die Erzählung von Nimas blinden, ebenfalls fiktiven Grossmutter. Sie ist es, die ihr den Umgang mit den Tieren lehrt und sie so gleichzeitig auf das Leben vorbereitet, auf die Suche nach «ihrem eigenen Faden», wie der Autor ausführt. Indem sie beispielsweise die Hirtin davor warnt, ihre Tiere zu lieben, was nur die Beziehung zu ihnen stören würde, Tiere seien einfach sich selbst.

Die Schneeleopardin wurde von Hans Ulrich Thalmann selbst herausgegeben und ist im Buchladen am Rathausplatz in Stein am Rhein für Franken 26.40 erhältlich. Es ist das erste Buch des Künstlers, der in Stein am Rhein lebt und in seinem Atelier in Kaltenbach arbeitet.